von Dipl.-Finw. StB Christian Herold, Herten/Westf.

Interessanterweise wird ein eigentlich recht einfaches Steuersparmodell nur selten angewandt: Es geht um die Vorauszahlung von Beiträgen zur privaten Kranken- und Pflegeversicherung, genauer gesagt zur sog. Basisabsicherung. Vielfach sind so auf einfache Weise Steuerminderungen von über 2.500 EUR möglich. Natürlich muss im Einzelfall genau gerechnet werden, ob sich das „Vorauszahlungsmodell" lohnt. Die Krankenkassen spielen jedenfalls in der Regel mit.

Zum Hintergrund

Beiträge zu einer Basiskranken- und Pflegepflichtversicherung dürfen bis zum 2,5-Fachen des laufenden Jahresbeitrags im Voraus für kommende Jahre gezahlt und in voller Höhe im Zahlungsjahr als Sonderausgaben abgesetzt werden. Darüber hinausgehende Beiträge sind in dem Jahr absetzbar, für das sie geleistet wurden (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 S. 4 EStG). Das Vorauszahlungsmodell ist überlegenswert für Privatversicherte, die über ein besonders hohes Einkommen verfügen und demnach einer hohen Steuerbelastung unterliegen.

(„Gutverdiener" profitieren vom Vorauszahlungsmodell)

Die Gestaltung basiert darauf, dass der Höchstbetrag für Beiträge zu den übrigen Versicherungen von 1.900 bzw. 2.800 EUR bei „geschickter Beitragszahlung" für zwei Jahre ungeschmälert zur Verfügung steht, während er bei laufender Beitragszahlung zur Kranken- und Pflegeversicherung ungenutzt „verpuffen" würde. Es lohnt sich also, einmal genau durchzurechnen, ob mittels einer Vorauszahlung Steuereinsparungen erzielt werden können.

Beachten Sie: Selbstverständlich muss die Krankenkasse mitspielen und die Vorauszahlungen auch „annehmen." Eine Anfrage bei mehreren Krankenkassen hat aber ergeben, dass die Vorauszahlungen in der Regel akzeptiert werden - auch wenn sie aufgrund des Verwaltungsaufwands nicht gerne gesehen werden. Und die Krankenkasse sollte natürlich über eine gute Bonität verfügen, denn im Falle der Insolvenz könnten die Beiträge verloren sein. Eine höhere „Verzinsung" für geleistete Einzahlungen werden Steuerzahler aber woanders kaum erzielen können.

(Höhere „Verzinsung" zurzeit kaum zu erreichen)

Beispiel

Herr Müller ist ledig, selbstständig und privat krankenversichert. Der Gesamtbeitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung - einschließlich Wahlleistungen - beträgt 5.000 EUR. Davon entfallen auf die Basiskranken- und Pflegepflichtversicherung 4.000 EUR. Da er im Jahr 2018 ein außerordentlich hohes Einkommen hat, kann er bis zum 2,5-fachen Jahresbetrag (5.000 EUR x 2,5 = 12.500 EUR) im Voraus für die kommenden Jahre an die Versicherungsgesellschaft einzahlen und davon 10.000 EUR absetzen (4.000 EUR x 2,5 = 10.000 EUR). Herr Müller zahlt an Beiträgen zur Kfz-, Unfall-, Arbeitslosen-, Privathaftpflicht- und anderen Versicherungen rund 3.000 EUR im Jahr.

 

 

Ohne Vorauszahlung

Mit Vorauszahlung

Absetzbar im Jahr 2018    
Beitrag zur Basiskranken- und Pflegepflichtversicherung:

4.000 EUR

 
Vorauszahlung: 2,5-Fache von 4.000 EUR

0 EUR

10.000 EUR

Beiträge zu anderen Versicherungen    
Nicht absetzbar, weil Höchstbetrag von 2.800 EUR überschritten

0 EUR

0 EUR

Absetzbar im Jahr 2019    
Beiträge zur Basiskranken- und Pflegepflichtversicherung:

4.000 EUR

0 EUR

Andere Versicherungen, z. B. Unfall-, Privat- und Kfz-Haftpflicht-, Berufsunfähigkeits-, Risikolebensversicherung usw., höchstens

0 EUR

2.800 EUR

Absetzbar im Jahr 2020    
Beiträge zur Basiskranken- und Pflegepflichtversicherung:

4.000 EUR

0 EUR

Andere Versicherungen

0 EUR

2.800 EUR

Absetzbar im Jahr 2021    
Beiträge zur Basiskranken- und Pflegepflichtversicherung:

4.000 EUR

 
die Hälfte von 4.000 EUR

0 EUR

2.000 EUR

Andere Versicherungen, höchstens (2.800 EUR ./. 2.000 EUR)

0 EUR

800 EUR

Absetzbar insgesamt

16.000 EUR

22.400 EUR

Vorteil durch Vorauszahlung der Beiträge  

6.400 EUR

Bei einem Steuersatz von 40% spart Herr Müller somit 2.560 EUR plus Soli und Kirchensteuer.

 

Hinweis der Redaktion

E-Bilanz: Aktualisiertes Datenschema veröffentlicht

Unternehmen müssen den Inhalt der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung grundsätzlich nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfernübertragung übermitteln. Das Bundesfinanzministerium hat nun das aktualisierte Datenschema der Taxonomien (Version 6.2) als amtlich vorgeschriebenen Datensatz veröffentlicht (BMF 6.6.18, IV C 6 - S 2133- b/18/10001, Abruf-Nr. 204509). Die aktualisierten Taxonomien stehen unter www.esteuer.de zur Ansicht und zum Abruf bereit.

Die neuen Taxonomien sind grundsätzlich für die Bilanzen der Wirtschaftsjahre zu verwenden, die nach dem 31.12.18 beginnen (Wirtschaftsjahr 2019 oder 2019/2020). Es wird allerdings nicht beanstandet, wenn diese auch für das Wirtschaftsjahr 2018 oder 2018/2019 verwendet werden.

(Frühere Verwendung wird nicht beanstandet)

Beachten Sie: Die Übermittlungsmöglichkeit mit diesen neuen Taxonomien wird für Testfälle voraussichtlich ab November 2018 gegeben sein; für Echtfälle ab Mai 2019.